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Wo Investoren Probleme machen organisiert sich Gegenwehr

Seit wenigen Jahren gehört Neukölln zu den interessantesten Bezirken nationaler und internationaler Investoren. Zum Leidwesen der Mieterhaushalte wird umgewandelt, modernisiert und die Miete erhöht, wo es nur geht oder wo es zu gehen scheint. Doch immer mehr Mieterinnen und Mieter setzen sich zur Wehr und machen dies auch öffentlich. Das macht Mut und soll zur Nachahmung anregen.

Zu diesem Zweck unternahm die DonauFulda Kiezinitiative mit rund 40 Interessierten am 17. August einen Spaziergang durch die Nachbarschaft. Zielpunkte waren Häuser, deren MieterInnen sich gegen die Verwertungsinteressen ihrer Eigentümer zur Wehr setzen. Durch die Wildenbruchstraße, über den Weichselplatz, ging es bei sonnigem Wetter weiter durch Fuldastraße, Sonnenallee, Weichsel- und Weserstraße, wo der Rundgang bei erfrischenden Getränken und abschließender Diskussion im „Freien Neukölln“ endete.

8175643MieterInnen von morgen folgen gespannt den Ausführungen der DonauFulda-Kiezini in der Donaustraße.

Viele Passantinnen und Passanten blieben stehen und hörten gespannt zu, wenn es z.B. darum ging, wie ein Mieter einen mehrjährigen Kampf gegen eine Eigenbedarfskündigung führt und dem dreist-verlogenen Ansinnen der Eigentümer trotzt. Ebenso hartnäckig wehrt sich die Hausgemeinschaft vom Weichselplatz nun schon im dritten Jahr gegen ein Modernisierungs-vorhaben, bzw. die in diesem Zusammenhang veranschlagten exorbitanten Mieterhöhungen, Räumungsklagen und andere Angriffe der Neueigentümer. Mit etwas finanzstärkeren Investoren wie der Mähren-Immobilien oder Cavere (oder auch Akelius und Berggruen) bekommen es zur Zeit immer mehr Mieterinnen und Mieter in Neukölln zu tun.

In einem Hinterhof der Sonnenallee lauschen die Spaziergänger den Klagen einer von der Energiesanierung betroffenen Bewohnerin.In einem Hinterhof der Sonnenallee lauschen die SpaziergängerInnen und  BewohnerInnen den Klagen einer von der Energiesanierung betroffenen Mieterin.

Doch deren Finanzkraft und spezialisierten Anwaltskanzleien sollten kein Grund sein, die Flinte ins Korn zu werfen. Vielmehr sollte es Antrieb geben, eine starke Hausgemeinschaft zu bilden, um gemeinsam juristische und politische Gegenstrategien zu entwickeln. Das dies nicht immer so einfach ist, wurde bei dem Spaziergang jedoch auch vermittelt, denn nicht alle Mietparteien ziehen an einem Strang oder haben die nötige Energie und Ausdauer für eine jahrelange Auseinandersetzung. So bleibt als Resümee: Es braucht viel Geduld, Ausdauer und Solidarität, um den Kampf um unseren Wohnraum zu führen – wer allerdings nicht kämpft, hat seine Wohnung über kurz oder lang schon verloren!

Kiezspaziergang 2013

Die DonauFulda-Kiezini lädt ein zum Kiezspaziergang. Am Samstag, dem 17. August besuchen wir ein paar Häuser in der Nachbarschaft, in denen Veränderungen anstehen und unterhalten uns mit betroffenen Mietern. Treffpunkt ist 16 Uhr in der Sonnenallee 101.

Kiezspaziergang_Screen

Politikwechsel statt Perspektivwechsel: Damit alle bleiben können!

Donau-Fulda-Kiezinitiative bei der Eröffnung der „48 Stunden Neukölln“

14. Juni 2013: Das diesjährige Motto der „48 Stunden Neukölln“ lautete „Perspektivwechsel“. Mit einigen Nachbarinnen und Nachbarn besuchte die Donau-Fulda Kiezinitiative die Eröffnungsveranstaltung, um der Perspektive der Mieterinnen und Mieter Ausdruck zu verleihen:

Die Perspektive der Mieterinnen und Mieter in Neukölln ohne viel Geld in der Tasche ist es, über kurz oder lang aus ihrem Kiez verdrängt zu werden. Das zu verhindern hilft kein Perspektiv- sondern nur ein Politikwechsel. Wer von Neukölln redet, darf zur Verdrängung nicht schweigen!“, so die Erklärung der Donau-Fulda Kiezinitiative.

DonauFulda48Stunden

Flugblätter, Plakate und Transparent stießen auf reges Interesse und große Zustimmung. Die Botschaften durchdrangen auch den dichten Rauch der künstlerisch gestalteten Nebelwand der politischen Ignoranz, die durch Bezirksstadträtin Franziska Giffey repräsentiert war.

DonauFulda48StundenNebelwand

Hier die Erklärung der Initiative: Damit alle bleiben können!

Keine Wohnung zu finden – die Mieten steigen

Mit einer Umfrage hat eine Stadtteilinitiative in Neukölln nicht nur Daten gesammelt, sondern auch zur Vernetzung von Betroffenen beigetragen.

Angeregt durch eine Kiezversammlung gründete sich im August letzten Jahres im nördlichen Neukölln die Kiezinitiative DonauFulda. Um die im Gebiet um die Donau- und die Fuldastraße lebenden Menschen besser kennenzulernen, starteten die rund 15 Aktiven eine Umfrage. Der dafür entwickelte Fragebogen wurde ausgelegt, aber überwiegend wurden die Mieter/innen direkt befragt. Die Ergebnisse stellte die Initiative im Oktober 2012 in der neuen Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft in der Sonnenallee 101 vor.

Ähnlich wie die Untersuchungen von Topos (siehe MieterEcho Nr. 355/ September 2012) stellte die Initiative stark steigende Mieten und Wohnungsknappheit fest. Dabei lassen die Ergebnisse zur Mietbelastung aufhorchen: So gaben 63 der 81 befragten Haushalte an, dass sie mehr als 30% ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufbringen müssen. Rund ein Viertel zahlt mehr als 40%, einige sogar mehr als die Hälfte. Ebenso bedrohlich ist die Situation für Menschen, die ALG-II beziehen: Bei fünf von neun reicht das vom Amt für die Miete zur Verfügung gestellte Geld nicht aus, um diese vollständig zu bezahlen. Mehr als die Hälfte der Befragten hat daher Angst, nach einer Mieterhöhung die Miete nicht mehr aufbringen zu können.

Gute Gründe, Angst zu haben

Dass solche Ängste existieren, ist ein sozialpolitisches Armutszeugnis für diese Stadt. Wie berechtigt die Befürchtung ist, die Wohnung zu verlieren, belegen auch die Einschätzungen der Investitionsbank Berlin im Wohnungsmarktbericht 2011: Wenn eine „Entwicklung so dynamisch wie in Nordneukölln“ verlaufe, würden sich „ganze Quartiere innerhalb weniger Jahre zu lebhaften Ablegern der Szenelage“ verwandeln. Der Nachfrageschub hätte in Neukölln zu „erheblichen Preissteigerungen“ geführt. Ein Blick in die Wohnungsangebote im Internet bestätigt: Die durchschnittliche Miete der angebotenen Wohnungen aus der näheren Umgebung des Kiezes liegt bei 8,75 Euro/qm und damit 3,35 Euro/qm über den Bestandsmieten. Die Chance, bei Wohnungsverlust eine neue Bleibe im vertrauten Kiez zu finden, ist also denkbar gering. Dass sie für ALG-II-Haushalte nahezu ausgeschlossen ist, vermitteln Wohnungsinserate mitunter sehr direkt: „Achtung – dies ist keine Wohnung, die vom Amt übernommen wird. Wir bitten also von derartigen Bewerbungen abzusehen, vielen Dank!“

Boomkiez für Investoren

Dass Nordneukölln bei Investoren heiß begehrt ist, bestätigte sich in der Umfrage ebenfalls. In 14 von 54 Häusern gab es in den letzten Jahren Eigentümerwechsel. Sowohl von Mieterhöhungen als auch von Modernisierungen sind die Häuser mit neuen Eigentümern deutlich stärker betroffen. Gleichzeitig zeigte die Umfrage, dass für eine effektive Gegenwehr gegen Mieterhöhungen und/oder Modernisierungen oft die Grundlagen fehlen. Beinahe die Hälfte der Befragten kann die eigene Wohnung nicht im Mietspiegel einordnen und die Mehrheit ist kaum über das Mietrecht informiert. Problematisch ist zudem, dass in den meisten Häusern wenig Austausch unter den Mieter/innen stattfindet.

Perspektive der Gegenwehr

Der Kiezinitiative DonauFulda ging es bei der Befragung nicht um das Sammeln statistischer Daten, sondern vielmehr um den Kontakt zu den Menschen und um Informationen zu ihren konkreten Probleme. Der Fragenkatalog sollte eine Auseinandersetzung mit dem Thema anregen und für bestimmte Handlungsmöglichkeiten sensibilisieren. Wo anzusetzen wäre, um die Gegenwehr zu verbessern, hat die Initiative bei einem Nachbarschaftsfest im angrenzenden Kreuzberg formuliert:

Liebe Nachbarinnen, liebe Nachbarn, wir denken, dass unsere einzige Möglichkeit der Konfrontation mit dieser Situation darin besteht, dass wir uns organisieren, mit anderen Initiativen, Sport-, Kultur- und Migrantenvereinen verknüpfen, Hausversammlungen machen und in permanentem Kontakt mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn bleiben. Der Kampf hat gerade erst begonnen!

Aus: MieterEcho online, Ausgabe 357

Die DonauFulda-Kiezini lädt ein

Einladung zur Veranstaltung am 24. September 2012

Vor einem Jahr hat sich in Neukölln unsere Kiezinitiative gegründet, die sich mit den Problemen auf dem hiesigen Wohnungsmarkt beschäftigt und eine Umfrage durchgeführt hat, um in Erfahrung zu bringen, wie die Menschen in unserer Nachbarschaft davon betroffen sind.

Die Ergebnisse dieser Befragung stellen wir am Montag, dem 24. September um 19 Uhr in der Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft  (Sonnenallee 101) vor. Du bist dazu eingeladen!

Erklärung der Kiezinitiative DonauFulda aus Berlin Neukölln

Beitrag der Initiative auf dem Cuvry-Brache-Fest am 2. Juni 2012 in Berlin Kreuzberg:

Hallo, guten Tag,

ich möchte euch von unserer Kiezinitiative erzählen.

Die DonauFulda-Kiezinitiative ist von Nachbarinnen und Nachbarn vor einem Jahr aus der Notwendigkeit gegründet worden, sich angesichts der schwierigen Situation, die unser Viertel erlebt, organisieren zu müssen.

Seit einigen Jahren beobachten wir, wie problematisch sich das Wohnungs- und Mietenthema entwickelt. Ein hoher Prozentsatz der in Neukölln lebenden Menschen ist mit Mieterhöhungen konfrontiert. In noch schwerwiegenderen Fällen erhalten die Menschen Aufforderungen, ihre Wohnung räumen zu müssen – viele mussten bereits wegziehen.

Neukölln hat sich zu einem Trendviertel entwickelt, auf das viele Investoren ihr Augenmerk geworfen haben. Viele Häuser haben ihre Eigentümer gewechselt.

Das Gesicht des Viertels hat sich fundamental gewandelt. Durch den Prozess der Modernisierung und Sanierung wird es für viele Nachbarn immer schwerer, die Miete aufzubringen.

Von Tag zu Tag sehen wir die Veränderungen in unserem Kiez. Wir sind nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, die unseren Kiez lebenswerter machen, ganz im Gegenteil. Aber wir sind gegen Veränderungen, die sich die Leute nicht mehr leisten können.

Ein immer größerer Teil der Bevölkerung Neuköllns lebt unter der Armutsgrenze und in präkeren Verhältnissen. Steigende Mieten auf der einen Seite, sinkende Einkommen und  Kürzungen bei sozialen Projekten, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen haben die Situation deutlich verschlechtert.

Arm aber sexy hat Klaus Wowereit gesagt – wir Neuköllner, Migranten, Hartz IV Empfänger, prekär Beschäftigte, Lohnabhängige, Studenten etc, können diesen sexy Teil der Armut nicht geniessen.

Liebe Nachbarinnen, liebe Nachbarn,

wir denken, dass unsere einzige Möglichkeit der Konfrontation mit dieser Situation darin besteht, dass wir uns organisieren, mit anderen Initiativen, Sport-, Kultur- und Migrantenvereinen verknüpfen, Hausversammlungen machen und in permanentem Kontakt mit unseren Nachbarn bleiben.

Der Kampf hat gerade erst begonnen,

Vielen Dank

Termine, Termine, Termine …

Wir möchten euch auf ein paar Veranstaltungen in den kommenden Tagen aufmerksam machen, die wir für wichtig halten:

Am 14. Juni (Donnerstag) findet ab 19 Uhr in der neuen Beratungsstelle der Berliner MieterGemeinschaft in der Sonnenallee 101 eine Diskussionsveranstaltung „Über das Für und Wider von Bürgerbeteiligung“ statt.

Ist das wirklich demokratisch?

Bürgerhaushalte, Volksbegehren oder auch Beteiligungsverfahren in Sanierungsgebieten wie in Neukölln vermitteln den Eindruck einer gewaltigen Demokratisierungswelle. Ob diese Beeiligungsformen grundsätzlich geeignet sind, mehr Demokratie zu etablieren, darf allerdings bezweifelt werden. Häufig zielen sie lediglich auf die widerstandsfreie Durchsetzung von Groß- und Bauprojekten. Auf der anderen Seite können Themen in die öffentlich Diskussion gebracht und Entscheidungen herbeigeführt werden, die sich gegen die Interessen von Konzernen und herrschender Politik richten und soziale und demokratische Rechte stärken.

Dazu sind eingeladen Jens-Martin Rode vom Berliner Energietisch und Thomas Wagner (Soziologe, Autor), der sich kritisch mit dem Thema Bürgerbeteiligung beschäftigt.

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Im Rahmen der 48-Stunden-Neukölln am 16. Juni bietet die Kiezini DonauFulda in den Räumen der Berliner MieterGemeinschaft in der Sonnenallee 101 nachmittags ab 15 Uhr Infomaterial und die Möglichkeit zum Kennenlernen.

Für denselben Tag ruft die Mieterinitiative Kotti & Co wieder zu einer Demonstration gegen hohe Mieten in Berlin auf. Genauere Informationen unter http://kottiundco.wordpress.com.

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Am Montag, dem 18. Juni treffen sich die Spitzen der deutschen Immobilienunternehmen mit den Spitzen der deutschen Stadtentwicklungspolitik: Die Jahrestagung der Immobilienwirtschaft steht an. Ort des hochkarätigen Treffens ist das Ritz-Carlton am Potsdamer Platz.

„Keine Rendite mit der Miete!“ Unter diesem Motto treffen wir uns um 16 Uhr am Mehringplatz zu einer Demonstration und ziehen gemeinsam zum Versammlungsort.

Blog der Kiezinitiative DonauFulda

Es ist Frühling im Blog der Kiezinitiative DonauFulda.

Unter der Oberfläche regt sich neues Leben …